Unternehmensrestrukturierung

Wenn eine Firma von Liquiditätsmangel betroffen ist, kann es eine Restrukturierung beantragen. Eine Unternehmensrestrukturierung wird von einem schwedischen Amtsgericht beschlossen, entweder auf Antrag des Unternehmens oder eines Forderungsinhabers.

Was beinhaltet eine unternehmensrestrukturierung?

Eine Unternehmensrestrukturierung bedeutet gewöhnlich, dass ein Vergleich (Schuldenabschreibung) ausgehandelt wird. Der Vergleich geschieht durch ein Abstimmungsverfahren, wobei die Größe der Mehrheit entscheidend ist, in welcher Höhe der Vergleich ausfallen kann, der durchgeführt werden soll. Die gewöhnlichsten Prozentsätze sind 25% (d.h. dass 75% der Schulden abgeschrieben werden) und 50%. Mit einer Unternehmensrestrukturierung kann eine Mehrheit der Forderungsinhaber einen Vergleich gegen den Willen der Minderheit erzwingen. Auch unbekannte Gläubiger sind an dem Beschluss des Vergleichs gebunden.

Was ist ein restrukturierungsplan?

Über dem Vergleich hinaus soll innerhalb der Restrukturierung ein Maßnahmenplan (Restrukturierungsplan) für das Unternehmen erstellt werden. Im Restrukturierungsplan soll das Unternehmen zusammen mit dem Restrukturierer, dem Gericht und den Forderungsinhabern beschreiben, wie die zugrundeliegenden Probleme gelöst werden sollen. Eine Überschuldung ist niemals das Problem an sich, sondern ein Symptom für ein zugrundeliegendes Problem im Unternehmen.

Eine Überschuldung ist niemals das Problem an sich, sondern ein Symptom für ein zugrundeliegendes Problem im Unternehmen
Erik M Gabrielsson

Die Unternehmensrestrukturierung ist ein effektives Instrument, um die Überschuldung in den Griff zu bekommen, denn die Firma wird während des Prozesses gegen Pfändungen und Konkursanträgen in gegnerischer Absicht geschützt. Der Nachteil ist, dass das Verfahren an Gesetze gebunden ist und dass das Gericht normalerweise nur Spezialisten als Restrukturierer anerkennt. Das bedeutet, dass die Kosten für das Verfahren mindestens genauso hoch sind wie für einen gleichwertigen Konkurs und die Kosten für die Unternehmensrestrukturierung müssen vom beantragenden Unternehmen selbst getragen werden. Als eine generelle Regel kann man Folgendes sagen: Umso mehr Schritte zur Restrukturierung das Unternehmen bereits selbst in die Wege leiten kann, umso mehr können die Kosten gesenkt werden.

Lohn- und gehaltsgarantien bei unternehmensrestrukturierungen

Ebenso wie beim Konkurs gibt es bei Unternehmensrestrukturierungen auch eine Lohn- und Gehaltsgarantie. Ein Teil der ausbezahlten Löhne und Gehälter aus der Lohn- und Gehaltsgarantie fällt in den Vergleich mit hinein und wird mit einem Prozentsatz bezahlt, der vom Gericht beschlossen wird, ein anderer Teil wird quasi ein staatlicher Kredit, der nach der Durchführung der Restrukturierung an den Staat zurückgezahlt werden soll. Die Regeln bei einer Lohn- und Gehaltsgarantie innerhalb einer Restrukturierung sind komplex und es gibt unter anderem die Möglichkeit, Maßnahmen durch Lohn- und Gehaltsgarantien bei entbehrlichem Personal, das gekündigt wird, unter gewissen Voraussetzungen, so zu ergreifen, dass die gesamten restlichen Lohn- und Gehaltsforderungen, die bei einer Kündigung entstehen, von einem Vergleich umfasst werden können.

Persönliche verantwortung und unternehmensrestrukturierung

Restrukturierung eines Unternehmens kann genauso wie der Konkurs die persönliche Haftung für Steuern blockieren, sie kann aber nicht wie beim Konkurs, dafür verwendet werden, um einem nicht wieder hergestellten kritischen Kapitalmangel entgegenzutreten. Dagegen kann der Gewinn, der aus einem Vergleich geschöpft werden kann, verbrauchtes Kapital wiederherstellen. Das setzt jedoch voraus, dass die Liquiditätsverpflichtungen nicht bereits für das Unternehmen eingetreten sind.

Was kostet eine unternehmensrestrukturierung?

Die Nachteile einer Unternehmensrestrukturierung sind, wie oben bereits erwähnt, oftmals der Preis. Für die Forderungsinhaber bedeutet eine missglückte Restrukturierung, dass doppelte Kosten anfallen, wenn sie tatsächlich misslingt. Denn es kommt dann außer dem Restrukturierer noch ein Konkursverwalter hinzu. Aus diesem Anlass sind oftmals die bevorzugten Gläubiger kritisch gegenüber einer Restrukturierung und es ist in der Praxis nicht möglich, eine Restrukturierung ohne die Zustimmung der bevorzugten Gläubiger durchzuführen.

Wie lange dauert eine unternehmensrestrukturierung?

Eine Unternehmensrestrukturierung dauert länger als ein Konkurs. Wenn die geschäftliche Tätigkeit in einem insolventen Unternehmen normalerweise innerhalb eines Monats ab Beginn des Konkurses zur Restrukturierung überlassen wurde, dauert es im Normalfall mindestens 6 bis 9 Monate, um zu einem Vergleichsbeschluss zu kommen. Die maximale Grenze für eine Unternehmensrestrukturierung in Schweden liegt bei 12 Monaten. Es muss für den ganzen Zeitraum ein beständiges Liquiditätsbudget vorhanden sein.

Eine Unternehmensrestrukturierung dauert länger als ein Konkurs. Wenn die geschäftliche Tätigkeit in einem insolventen Unternehmen normalerweise innerhalb eines Monats ab Beginn des Konkurses zur Restrukturierung überlassen wurde, dauert es im Normalfall mindestens 6 bis 9 Monate, um zu einem Vergleichsbeschluss zu kommen
Erik M Gabrielsson

Unternehmensrestrukturierungen werden oft wegen ihrer zu hohen Kosten kritisiert und kommen ins Kreuzfeuer, weil die Unternehmen, die sie durchgeführt haben, oftmals innerhalb von drei Jahren oder noch schneller dennoch Konkurs anmelden mussten. Das Problem mit Restrukturierungen ist nicht, sie durchzuführen und eine Mehrheit für den Vergleich zu bekommen, sondern, dass das Unternehmen so gesund sein soll, dass es zum Überleben reicht, nachdem es die Restrukturierer sowie die respektive Forderung, die bis auf eine bestimmte prozentuale Summe abgeschrieben wurde (ackordsdividend), an die Forderungsinhaber bezahlt hat. Der Forderung, dass das Unternehmen nach der Restrukturierung gesund sein muss, steht das Interesse der Forderungsinhaber gegenüber, nicht so große Zugeständnisse zu machen, die in ein „zu gesundes“ Unternehmen resultieren würden. Denn eine derartige Restrukturierung würde die Aktionäre auf Kosten der Forderungsinhaber begünstigen. Eine geglückte Restrukturierung stellt demnach hohe Anforderungen an den Restrukturierer und sein Verhandlungsgeschick.

Wann ist eine restrukturierung angeberacht?

Die Frage, in wieweit eine Restrukturierung im Einzelfall angebracht wäre, hängt nicht nur damit zusammen, wie die Bilanz aussieht, sondern in welcher Branche das Unternehmen tätig ist. Zum Beispiel ist die Restrukturierung von Auftrags- und Bauunternehmen erheblich schwerer, denn in diesem Fall handelt es sich darum, in langfristige Ausschreibungsaufträge mit langen Garantieverpflichtungen einzutreten. Die Kunden eines Auftragsunternehmens sind selten daran interessiert auf die Garantieverpflichtungen zu verzichten. Dies gilt auch für Preisminderungen. Die Kunden sehen oftmals die Garantie als eine hauptsächliche Leistung seitens des Unternehmens an. Geht es stattdessen um eine Immobiliengesellschaft, ein Transportunternehmen oder ein Handelsunternehmen, kann eine Restrukturierung oftmals angebracht sein. Um eine Beurteilung und einen Überblick über Ihr Unternehmens zu erhalten, sollten Sie mit einem Spezialisten Kontakt aufnehmen. Die meisten Spezialisten bieten eine kostenlose Analyse Ihres Unternehmens an. Bei der Zusammenkunft mit einem Spezialisten sollten Sie besonders wachsam vorgehen, ob die Ausrichtung nur allein auf die Durchführung eines Vergleichs hinausgeht. Die zugrundeliegenden Probleme zu beheben, die zur Überschuldung geführt haben, sind genauso wichtig wie der Vergleich, wenn Ihr Unternehmen auf lange Sicht überleben soll. Es ist oftmals angebracht, wenn der Rechnungsprüfer bei der Zusammenkunft mit dem Restrukturierer zugegen ist.

Die zugrundeliegenden Probleme zu beheben, die zur Überschuldung geführt haben, sind genauso wichtig wie der Vergleich, wenn Ihr Unternehmen auf lange Sicht überleben soll
Erik M Gabrielsson

Im Unterschied zu einem Konkursverwalter ist der Restrukturierer für das Unternehmen ein Ratgeber, der Vorstand bleibt weiterhin für das Unternehmen verantwortlich, auch während einer Restrukturierung.

Wie finde ich einen geeigneten restrukturierer?

Um einen spezialisierten Anwalt zu finden, kann es eine gute Idee sein, mit dem Hauptgläubi-ger zu reden. Der Hauptgläubiger ist gewöhnlich eine Bank oder ALMI (eine schwedische Entwicklungsagentur, die Kredite an KMU [kleine und mittelständische Unternehmen] mit Wachstums- und Beschäftigungspotenzial vergibt), die sich das bewegliche Eigentum des Unternehmens gesichert haben. Sie haben somit oftmals eine gute Übersicht, welche Anwälte am kompetentesten sind und welche sich weniger eignen. Eine Restrukturierung entgegen der Wünsche des Hauptgläubigers durchzuführen ist an und für sich theoretisch gesehen möglich, aber in der Praxis ist es schwer bis unmöglich. Es ist also eine gute Idee, sich mit dem Hauptgläubiger auseinanderzusetzen, der über dieses bewegliche Eigentum des Unternehmens als Sicherheitsleistung verfügt. Bitten Sie ihn darum, bezüglich der Einleitung einer Restrukturierung seine Gesichtspunkte zu erläutern und fragen Sie ihn, welcher Anwalt dabei helfen kann.

Es kann ebenso wie in anderen Zusammenhängen eine gute Idee sein, verschie-dene Alternativen zu vergleichen und nicht nur mit einem einzigen Anwalt zu reden; vielleicht haben Sie größeres Vertrauen in einen anderen der Anwälte oder es haben vielleicht einige von den Anwälten bessere Ideen, wie Sie ihre Situation lösen können?

Unter der Rubrik ”Erfahrungen” können Sie mehr über die Konkurse lesen, die wir bisher gemanagt haben.

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